Ist die Comic Con Germany kein Ort für Phantastikliteratur?

Ein Interview mit den Phantastikverlagen auf der Comic Con Germany in Stuttgart

Wir waren auf der Comic Con Germany in Stuttgart, nebst unserem Stand, natürlich auch in den Reihen der Händler und Verlage unterwegs. Dabei ist uns aufgefallen, dass die Phantasikverlagsmeile im Gegensatz zu letztem Mal recht klein ausgefallen ist und es auch keine Leseinsel gab.

Daher haben wir uns drei der Verlage geschnappt um herauszufinden, ob die Comic Con Germany einfach kein geeignetes Pflaster für Phantastikverlage ist oder ob dieser Schein einfach trügt.

Wir haben uns unterhalten mit
Grit Richter vom Art Skript Phantastik Verlag
Marc Hamacher vom Leseratten Verlag
Torsten Low vom Verlag Torsten Low

  1. Wie war dein allgemeiner Eindruck von der Convention?

Grit:
Sehr gut. Es waren immer viele Leute unterwegs und die Stimmung war bei allen sehr gut. Egal wo man hinsah, die Besucher und Standbetreiber hatten Spaß.

Marc:
Die Comic Con Germany ist immer ein Highlight, welches von Jahr zu Jahr  sehr gut besucht wird. Man merkt, dass es im süddeutschen Raum rund um Stuttgart eine hungrige Fangemeinde gibt.

Torsten:
Die Stimmung war bombastisch. Sowohl die Besucher als auch die Aussteller waren total begeistert. Wir waren ständig im Gespräch mit Interessenten.

  1. Warst du diesmal das erste Mal mit dabei oder bereits letztes Jahr schon?
    Wie hat sich die Convention entwickelt? Waren gefühlt für dich mehr Besucher vor Ort, bzw. mehr Interessenten an deinem Stand?

Grit:
Ich war diesmal zum ersten Mal dabei. Die letzten Jahre war ich als Besucher auf der Comic Con, dieses Jahr erstmalig als Aussteller.

Marc:
Ja, wir sind als Leseratten Verlag bei der Comic Con Stuttgart vom ersten Jahr an Stammgast und es wird immer besser. Diese Con etabliert sich und die Gäste kommen in Scharen. In vielen Gängen gab es kaum ein Durchkommen. Es gibt inzwischen sogar einige Fans, die extra nach unserem Stand suchen, weil sie uns vom Vorjahr noch kennen.

Torsten:
Wir sind seit dem 2. Jahr auf der Comic Con Germany dabei. Sie hat sich von den Besucherzahlen immer weiterentwickelt. Ich hab am Samstag gegen 12 ein Foto von der Empore gemacht – das war der blanke Wahnsinn. Alle Gänge voll!

  1. Also würdest du sagen, dass sich der Stand für dich gelohnt hat?

Grit:
Der Stand hat sich in jedem Fall gelohnt. Ich hätte auf einer Comic Con nie damit gerechnet, dass die Leute sich so sehr für Bücher begeistern können. Das ist toll!

Marc:
Durchaus. Es gibt bei so einer Messe immer zwei Aspekte, die man sehen muss: Man wird als Verlag von Mal zu Mal bekannter. Deswegen sollte man nie nach dem ersten Jahr ein Fazit ziehen. Und es zeigt sich, dass es sich lohnt, den Stand auch groß und auffällig zu gestalten. Bei so einer Comic Con gibt es sehr viel zu sehen. Es ist eine Flut der Eindrücke für das Auge.

Torsten:
Auf jeden Fall. Man darf ja nie vergessen, dass es bei einer Con oder eine Messe nicht immer nur um die sofort klingende Münze geht. Veranstaltungen sind Werbemaßnahmen, die uns und unsere Bücher bekannter machen. Also selbst, wenn wir auf einer Veranstaltung nicht so viel Verkäufe haben, dass die Auslagen reinkommen – es kann sich trotzdem gelohnt haben. Einfach weil man tolle Gespräche hatte, jede Menge Werbematerial unter die Leute gebracht hat und das Verlagsprogramm vielen Leuten vorgestellt hat, die noch nie was von einem gehört haben.

Aber ja – wir haben auch richtig gut verkauft.

  1. Was war für dich positiv und was könnte nächstes Jahr besser gemacht werden?

Grit:
Dass die Comic Con sich auf eine große Halle beschränkt hat, schien für mich ein großer Vorteil zu sein. Die Besucher hatten alles in einer Halle, man musste sich nicht zwischen mehreren Hallen aufteilen. Alles war geballt an einer Stelle. Das sollte im nächsten Jahr wieder so gemacht werden.

Marc:
Positiv ist die freundliche und professionelle Betreuung durch Matthias Neumann und seinem Team, aber auch der Kontakt zur Messe selbst. Es wird sich sehr viel Mühe gegeben, auch kleine Wünsche von kleinen Ausstellern zu erfüllen. Gut war, dass dieses Jahr an fast jedem Gang der Lageplan der Halle zu finden war. Man könnte die Nummern der Gänge selbst aber deutlicher kennzeichnen.

Torsten:
Die Orga hat wieder ganz große Arbeit geleistet – da muss ich echt sagen: Hut ab. Für nächstes Jahr würde ich mir wünschen, dass man wieder mehr Verlage und Autoren anzieht und dann die eigentlich geplante Lesebühne wieder umsetzen kann. Das war letztes Jahr super – und ich habe von einigen Besuchern erfahren, dass sie eben diese Bühne schmerzlich vermisst hätten.

  1. Dieses Jahr wart ihr ja weniger Phantastikverlage, das war ja auch der Grund, warum die Leseinsel weggefallen ist. Wenn ich dich aber richtig verstehe hat sich das Wochenende für dich gelohnt.
    Welches Potential siehst du darin im nächsten Jahr mit mehr Verlagen und wieder einer Leseinsel?

Grit:
Lesungen sind immer ein ganz besonderes Erlebnis. Sie verbinden den Vorleser und Zuhörer auf ganz besondere Weise. Dieses Erlebnis sollte man keinem vorenthalten.

Marc:
Das ist ein schweres Thema, weil wir diese Leseinsel letztes Jahr mit organisiert haben. Das lohnt sich aber auch nur, wenn entsprechend Verlage und Autoren in einer gewissen Anzahl dabei sind. Durch eine Gegenveranstaltung war es aber schwer, da ein Programm aufzustellen. 2020 sieht das wieder anders aus, weil die Termine dann an unterschiedlichen Wochenenden sind. Nebenbei waren übrigens mehr Fantasy-Verlage da, als es den Anschein hatte. Einige haben sich im Händlerbereich getummelt. Ich hoffe, dass es nächstes Mal wieder eine Leseinsel geben wird. Der Veranstalter ist da auf unserer Seite.

Torsten:
Ich fand es persönlich sehr schade, dass die Leseinsel dieses Jahr mangels Teilnehmer entfallen ist. Die Besucher sind zu mir an den Stand gekommen und haben sich tatsächlich darüber beschwert, dass dadurch die Comic Con Germany eine interessante Facette verloren hat. Gut, ich habe sie dann meist dadurch wieder besänftigt, dass sie von mir eine ganz private Standlesung bekommen haben. Aber alleine daran, dass es Leute gab, die nachgefragt haben, sieht man ja schon, dass die Leseinsel wieder her muss.

  1. Was macht für dich die Comic Con Germany in Stuttgart aus?

Grit:
Als Verlegerin aus dem Umland von Stuttgart war die Messe für mich ein Heimspiel. Das ist ein großer Vorteil. Ansonsten glänzt die Messe natürlich auch durch ihr tolles Team und sehr professionelle Betreuung. Das ergänzt sich gut mit den Leuten von der Stuttgarter Messe, die ebenfalls sehr freundlich und hilfsbereit waren. Die Comic Con Stuttgart ist ein rundum professionell aufgebautes Event, das einfach großen Spaß macht.

Marc:
Für uns ist es vor allen die Nähe, denn wir kommen aus dem Stuttgarter Raum. Die Erreichbarkeit der Messe ist perfekt, man kann fast da landen. Als Aussteller ist die Erfahrenheit der Orga mit dem deutschen Markt und unseren Wünschen wichtig. Für die Gäste ist es ein etabliertes Event mit, für eine solche Messe, familienfreundlichen Eintrittspreisen und einem tollen Programm.

Torsten:
Für uns, die deutschlandweit unterwegs sind, ist natürlich die Nähe zum Verlagssitz im Augsburger Land ein großer Vorteil.  Die Veranstalter sind absolute Profis und auch die Zusammenarbeit mit der Messe Stuttgart war super.

Vor allem aber sind es die Besucher, denen man ansah, dass sie einfach nur unwahrscheinlich viel Spaß haben wollten. Naja – und MacGyver 😉

  1. Bist du nächstes Jahr wieder auf der Comic Con Germany in Stuttgart?

Grit:
Leider nicht, da fast gleichzeitig die Buchmesse Saar, eine neue große Buchmesse im Saarland, stattfinden wird. Ebenso wie die Comic Con in Stuttgart wird auch diese Messe für mich sehr spannend sein und wenn ich auch dort gute Erfahrungen mache, dann werde ich 2021 vielleicht sogar beide Messen besuchen.

Marc:
Definitiv.

Torsten:
Auf jeden Fall.

Danke für das Interview und wir freuen uns euch, bis auf verständlicherweise Grit, und einige bekannte und noch nicht so bekannte Phantastikverlage nächstes Jahr wieder in Stuttgart zu treffen und den dann hoffentlich wieder stattfindenden Lesungen zu lauschen.

Bild Verlage

v.l.n.r Marc Hamacher (Leseratten Verlag), Grit Richter (Art Skript Phantastikverlag), Torsten Low (Verlag Torsten Low)