P&P Rollenspiele – Private Eye – Ein Fantasy-Rollenspiel ohne Fantasy!

Private Eye ist ein beinahe klassisches Rollenspielsystem: klassisch, was das Alter angeht (Erstauflage 1988), und die Regeln, aber ungewöhnlich hinsichtlich des Settings.
Vielleicht ist letzteres das Geheimnis seines anhaltenden Erfolges, ist doch 2016 bereits die 5. Auflage erschienen. Private Eye funktioniert genau wie jedes andere FantasyRollenspiel. Allerdings ohne Fantasy. Es ist streng genommen ein historisches Rollenspiel, dient doch die reale viktorianische Zeit als Hintergrund. Der Schwerpunkt liegt auf England und speziell London, Kernzeit sind die Jahre 1875-1895. Und wie der Name „Privatdetektiv“ (so die Übersetzung) zeigt, spielt man Kriminalabenteuer. Die Spieler tauchen ein in das Flair klassischer Kriminalgeschichten von Sherlock Holmes oder Agatha Christie.

Die Regeln sind bewusst kurz und einfach gehalten. Wir meinen, dass ein System, das den Schwerpunkt auf das Erzählen, Ermitteln von Spuren, Zeugenbefragungen und Ähnlichem legt, weder detaillierte Regeln noch ausgefeilte Tabellen braucht. Mit W100 kleiner oder gleich dem Wert würfeln, ggf. eine Modifikation je nach Schwierigkeit, das ist es schon. Kämpfe können sehr schnell und tödlich enden, denn hier gibt es keine (!) magischen Heiltränke.

Die Komplexität liegt bei Private Eye in den Abenteuern. Auch bei einem scheinbar einfachen Kriminalfall weiß die Spielleitung nie, wohin sich die Spieler zuerst wenden, welche Spuren sie (zuerst) finden oder welche Zeugen sie in welcher Reihenfolge befragen, und wie sie die gefundenen Hinweise interpretieren (und ob sie überhaupt alles entdeckt haben). Nur eine genaue Kenntnis der Details ermöglicht es der Spielleitung, auf alle Wendungen flexibel zu reagieren und den Spielern durch die NSCs und Platzierung von Hinweisen einen flüssigen Ablauf zu präsentieren. Deshalb enthalten die Abenteuer immer zahlreiche Handouts und verschiedene Listen von Alibis, Aussagen, Spuren usw.

Den Spielern, Detektiven genannt, stehen neben ihrem Verstand nur die technischen Möglichkeiten ihrer Zeit zur Verfügung. Deren Darstellung widmet das Regelwerk übrigens den weitaus größten Anteil. Hier erfahren die Spieler, welche gerichtsmedizinischen Untersuchungsmethoden ihnen zur Verfügung stehen, ob sie schon Fingerabdrücke nehmen können, und in welchen Archiven sie Informationen finden. Und warum sie damit rechnen müssen, dass der Tatort vor ihrem Eintreffen bereits von der Presse und dem Dienstmädchen mit Putzmitteln „besucht“ wurde.
Deshalb sind die grauen Zellen bei Private Eye besonders gefragt. Der Spielspaß entsteht aus dem Tüfteln und Kombinieren, der Begegnung mit besonderen Menschen und Orten, und dem gemeinsamen Ermitteln in der Atmosphäre einer nur scheinbar angestaubten Zeit.

Private Eye wird von der Redaktion Phantastik veröffentlicht (https://www.redaktionphantastik.de/produkt-kategorie/rollenspiele/private-eye/).
Im Download-Bereich finden sich kurze Abenteuer zum Selbstausprobieren. Inzwischen gibt es (2018) 12 Abenteuerbände, aber insgesamt sind bisher über 50 Abenteuer erschienen.

*Der Text wurde MyFantasyWorld.de zur Verfügung gestellt. Er unterliegt keiner Wertung.*